1810
Goethe, Zur Farbenlehre
Kein Aura-Buch, aber die Wurzel vieler Deutungen. Im Kapitel über die „sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe“ ordnet Goethe den Farben Stimmungen zu: Gelb und Rotgelb auf der „Plusseite“ als regsam und warm, Blau auf der „Minusseite“ als kühl und sehnsüchtig. Steiner gab Goethes naturwissenschaftliche Schriften heraus.
1878
Babbitt, Principles of Light and Color
Der amerikanische „Magnetist“ Edwin Babbitt verschmolz Optik, Okkultismus und Heilkunde. Er beschrieb, welche Farben welche Krankheiten lindern, baute Farblampen zur Behandlung und las Gesundheit aus der Farbe der menschlichen Ausstrahlung. Er gilt als Urvater der Farbtherapie und beeinflusste die Theosophie.
1902
Leadbeater, Man Visible and Invisible
Das Buch, das die moderne Aura-Farbe prägt. Der Theosoph Charles W. Leadbeater zeigt farbige Tafeln von Menschen, „wie Hellsichtige sie sehen“, samt einem „Schlüssel zur Bedeutung der Farben“: Rot für Zorn, Braungrau für Selbstsucht, Gelb für Intellekt, Blau für religiöses Gefühl.
1904
Steiner, Theosophie
Rudolf Steiner beschreibt drei ineinander liegende Auren: eine vom Körper beeinflusste Triebaura, eine Seelenaura und eine Geistaura. Braun und Rotgelb stehen für Triebe, helles Gelb für klares Denken, Grün für Verständnis, Blau für Hingabe, Rosenrot für hingebungsvolle Liebe.
1905
Besant & Leadbeater, Thought-Forms
Gedanken als farbige Gebilde: Die Tafeln zeigen, wie Zorn als roter Blitz oder Hingabe als blaue Blüte aussehen soll. Das Buch wurde zur Bildquelle der frühen Abstraktion; Kandinsky setzt sich in Über das Geistige in der Kunst (1911/12) ausdrücklich mit der Theosophie auseinander.
1911
Kilner, The Human Atmosphere
Der Londoner Arzt wollte die Aura durch Glasschirme mit dem giftigen Farbstoff Dicyanin sichtbar machen. Er sah vor allem bläulich-graue Schleier in drei Schichten und hoffte auf Diagnosen. Das British Medical Journal schrieb 1912, Kilner habe nicht überzeugt, dass seine Aura wirklicher sei als Macbeths Dolch.
1927
Leadbeater, The Chakras
Leadbeater überträgt die indischen Chakren ins Westliche und gibt ihnen Farben nach eigener Hellsicht, aber noch keinen Regenbogen: Das Wurzelchakra ist feurig orangerot, das Herzchakra golden, das Halschakra silbrig blau.
1977
Hills, Nuclear Evolution
Christopher Hills legt den Regenbogen auf die sieben Chakren, Rot unten bis Violett oben. Diese Ordnung ist heute so selbstverständlich, dass sie oft für uralt gehalten wird. In indischen Quellen gibt es sie nicht.
1982
Tappe, Life Colors
Nancy Ann Tappe, die sich als Synästhetin bezeichnete, führt die „Lebensfarbe“ ein: eine Grundfarbe der Aura, die ein Leben lang bleibt. Sie prägt auch den Begriff der „Indigo-Kinder“.
1991
Oslie, Life Colors
Pamala Oslie macht daraus ein Persönlichkeitssystem mit vier Gruppen: körperliche Farben (Rot, Orange, Magenta, Gelb), mentale (Tan, Grün), emotionale (Blau, Violett, Lavendel, Kristall, Indigo) und Mischtypen. Es ist die direkte Vorlage heutiger Aura-Quizze.
~1990
AuraCam
Guy Coggins’ Kamera macht die Farben fotografierbar: Hautwerte der Hand werden in Farbwolken übersetzt, deren Bedeutung ein Team von Hellseherinnen und Hellsehern festgelegt hat. Das Bild ist echt, die Farbe ist ein Messwert in Verkleidung.
2024
TikTok & Aura-Gradients
Aura-Fotostudios, Farbfilter, „Indigo-Aura“-Moodboards und weiche Verlaufsbilder als Ästhetik. Die Farbtabellen von 1902 kommen als Selbsttest im Handyformat zurück.